Verbraucherstimmung schwingt um: Optimismus keimt auf

Ergebnisse der GfK-Konsumklima-Studie im Februar 2004

Nach zwei Monaten überwiegend negativer Entwicklung der Indikatoren, die die Konsumstimmung der Bundesbürger beschreiben, scheint diese umzuschwingen. Sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartung der Deutschen sind positiver geworden. Darüber hinaus ist auch ihre Bereitschaft, in nächster Zeit größere Anschaffungen zu tätigen, gestiegen.

Noch im Januar fühlten sich die deutschen Verbraucher von den Diskussionen rund um die soziale Versorgung verunsichert und reagierten nach bereits pessimistischen Reaktionen im Dezember zum zweiten Mal in Folge überwiegend negativ: Ihre Erwartungen an die Entwicklung der Konjunktur und ihres persönlichen Einkommens sowie ihre Neigung, größere Anschaffungen zu tätigen, sanken. In der Februarumfrage der GfK ist jedoch erstmals wieder ein Umschwung erkennbar: Alle Stimmungsindikatoren entwickelten sich deutlich nach oben – entsprechend weist auch der auf mehreren Stimmungsindikatoren aufbauende Konsumklimaindikator wieder ganz leicht aufwärts.

Während sich die Stimmung der Konsumenten verbesserte, äußerten sich Unternehmer (ifo) und Finanzanalysten (ZEW) - nach einigen Monaten allmählich gestiegenem Optimismus – im Februar wieder etwas skeptischer. Insbesondere trägt wohl die Entwicklung des Eurokurses dazu bei, dass sich die Stimmung der Unternehmer etwas eintrübt. Sie fürchten, dass dessen Höhenflug die Chancen der Exportwirtschaft – des derzeit wesentlichen Konjunkturmotors in Deutschland – mindern könnte. Möglicherweise tangierte sie auch die Frage, wie sich der Rücktritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder von seinem Amt als Parteivorsitzender der SPD auf den Fortgang der in die Wege geleiteten Reformvorhaben auswirkt.

Konjunkturerwartung: wieder im positiven Wertebereich

Nach den leichten Rückschlägen der vergangen beiden Monate ging es mit der Konjunkturerwartung der Verbraucher in diesem Monat erstmals wieder bergauf. Der Indikator stieg von einem Wert von minus 5,8 Punkten im Dezember um knapp 8 Punkte auf einen Wert von 2,0. Damit hat er wieder den langjährigen Durchschnitt von 0 überschritten. Ein höherer Wert wurde zuletzt im September 2002 gemessen. Den entsprechenden Vorjahreswert hat die Konjunkturstimmung mit einem Plus von 28 Punkten weit hinter sich gelassen.

Offensichtlich bewirken die konjunkturellen Signale, die nicht nur von Politi-kern und der Wirtschaft kommuniziert werden, sondern sich nach und nach auch mit volkswirtschaftlichen Fakten belegen lassen, dass die Verbraucher umdenken und ein Fünkchen Hoffnung entwicklen. Das kommt in den Feb-ruardaten der GfK zum Ausdruck.

Einkommenserwartung: aufwärtsgerichtet, leicht oberhalb des langjährigen Durchschnittswerts

Der Konjunkturoptimismus beflügelt offensichtlich auch die Erwartung der Verbraucher an die Entwicklung des persönlichen Einkommens. Das kräftige Plus von 14 Punkten hat die Verluste der beiden vorangegangenen Monate mehr als ausgeglichen. Mit einem Wert von minus 0,3 Punkten näherte sich der Indikator wieder dem langjährigen Durchschnitt von 0 und liegt damit auch deutlich über dem entsprechenden Vorjahreswert von minus 20,9 Punkten. Es bleibt abzuwarten, ob sich bei der Einkommenserwartung eine wirkliche Trendwende abzeichnet. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres hatte sich dieser Indikator sehr unstetig – das heißt abwechselnd nach oben, dann wieder nach unten – entwickelt.

Der starke Punktgewinn beim Indikator Einkommensstimmung überrascht. Einerseits waren die deutschen Haushalte zu Jahresbeginn mit neuen, aus der Gesundheitsreform resultierenden, finanziellen Belastungen konfrontiert, die die Senkung der Krankenversicherungsbeiträge nur teilweise kompensierten. Andererseits blieb trotz Steuerreform im Januar beim Einkommen noch alles beim Alten, denn vielen Unternehmen war es aus technischen Gründen im Januar noch nicht möglich gewesen, sich auf die neuen Abrechnungsmodalitäten einzustellen. Nach wie vor waren also zum Zeitpunkt der Befragung noch viele Bürger im Unklaren darüber, was die vorgezogene Steuerreform an zusätzlichem Nettoeinkommen bringen würde.

Sicherlich handelt es sich noch nicht um einen grundsätzlichen Umschwung. Jedoch sind die Voraussetzungen, dass es mit der Verbraucherstimmung aufwärts geht, wahrscheinlicher geworden. Darauf deutet ihre positivere Erwartung an die Einkommensentwicklung, aber auch an die Entwicklung der Preise hin. Darüber hinaus spricht einiges dafür, dass im Januar die Stimmung schlechter als die tatsächliche Lage war. Der Einzelhandel – das zeigen die Daten des ConsumerScan-Panels der GfK – schnitt im Januar nicht schwächer ab als in den Vorjahren. Offensichtlich hatten im Vormonat die Bundesbürger wegen der nicht enden wollenden Diskussionen um Steuerreform und soziale Sicherung ein hohes Maß an Verärgerung angestaut, was in den Stimmungsindikatoren dann auch seinen Ausdruck fand. Im Februar haben sich ihre Emotionen offensichtlich wieder auf ein normales Maß zurückentwickelt. Dabei hat möglicherweise auch der von Wirtschaft und Politik ausgehende optimistische Stimmungswandel geholfen, die aus der Unsicherheit resultierenden Ängste der Verbraucher in den Vormonaten verblassen zu lassen.

Anschaffungsneigung: stärkstes Plus seit der Einführung des Euro

Im Februar hat sich auch der Indikator Anschaffungsneigung kräftig erholt. Das Plus von 16 Punkten kompensierte die Verluste der beiden vorangegangenen Monate. Es ist die stärkste positive Veränderung seit Einführung des Euro im Jahr 2002. Mit einem Wert von minus 25,7 hat der Indikator in etwa wieder das Niveau des Monats November 2003 erreicht.

Die Aussichten auf einen Konjunkturaufschwung und eine Besserung der persönlichen Einkommenssituation bringen offensichtlich auch Belebung in die Anschaffungsneigung der Verbraucher. Doch ist nach wie vor insbesondere hier Vorsicht geboten: der Wert liegt weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert. Dem in den Vormonten geäußerte Konjunkturoptimismus von Wirtschaft und Politik müssen in den nächsten Monaten Taten folgen, insbesondere solche, die sich positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. Erst wenn sich hier Zeichen einer Besserung einstellen, wird auch die Konsumlust deutlich an Festigkeit und Schwung gewinnen.

Konsumklima: wieder ein leichter Aufwärtstrend

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der Einzelindikatoren wird sich das Konsumklima leicht verbessern: Für den kommenden Monat März prognostiziert der Indikator Konsumklima einen Wert von 5,2 Punkten nach revidiert 5,1 Punkten im Februar.

Nach wie vor entwickelt sich das Konsumklima momentan eher seitwärts. Eine fundamentale Besserung wird erst dann eintreten, wenn sich die Einzelindikatoren der Verbraucherstimmung weiter kräftig positiv entwickeln. Das wird vor allem dann der Fall sein, wenn der derzeit im Wesentlichen in der Außenwirtschaft begründete Konjunkturoptimismus positive Signale auf dem Arbeitsmarkt setzt und auch auf die Binnennachfrage überspringt.

Quelle: Nürnberg [ gfk ]

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