1.200 Besucher bei ISN-Strategie-Tagung zur Zukunft des europäischen Schweinemarktes

Mit einer neutralen Organisation zum Klassifizieren und Abrechnen von Schlachtschweinen nach französischem Vorbild kann das gewünschte Vertrauen in die Schlachtbranche aufgebaut werden. Dies war die zentrale Forderung des ISN-Vorsitzenden Franz Meyer zu Holte während der Strategie-Tagung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Nord-Westdeutschland e.V. (ISN) in Münster am 17. März 2004. Rund 1.200 Schweinehalter waren gekommen, um mit Vertretern der führenden Schlachtunternehmen Europas und der ISN in der Halle Münsterland über die Zukunft des europäischen Schweinemarktes zu diskutierten. Das Podium war hochkarätig besetzt: Insgesamt standen die Experten für 58 Mio Schlachtschweine, die einer Wertschöpfung von rund 7 Mrd Euro entsprechen.

Einseitige Verträge ohne Preis hätten weder in Deutschland noch in Dänemark für die Schweinehalter zum Erfolg geführt, erläuterte Meyer zu Holte weiter. Dies sei unabhängig von der Rechtsform des Schlachtunternehmens der Fall. Die Dänen, so Bent Claudi Lassen, Vize-Präsident von Danish Crown, setzten weiter auf ihren Weg: „Wir werden die Exportaktivitäten und auch die Schweinehaltung in Osteuropa weiter ausbauen. Dabei spielt die vertikale Integration wie gehabt die zentrale Rolle“ Lassen betonte, dass die Schlachtunternehmen in Dänemark den Landwirten gehörten und diese damit direkten Einfluss hätten. In die gleiche Richtung argumentierte Dr. Giesen, geschäftsführender Vorstand der Westfleisch eG: „Die Bauern müssen sich auch um die Vermarktung ihrer Produkte kümmern. Und das machen Sie bei uns durch ihre Beteiligung.“ Seine Vision für 2010: Vertikal integrierte Fleischvermarkter mit hoher regionaler Dichte in bäuerlicher Hand.

Sowohl für Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter von Tönnies Fleisch, als auch für die ISN ist dies kein Modell der Zukunft. „Unternehmerisches Handeln bedeutet für mich, dass wir Landwirte unser Kapital für die weitere Entwicklung und Spezialisierung im eigenen Betrieb einsetzen“, so August Rietfort, ISN-Vorstandsmitglied. Für Tönnies ist „integrale Vernetzung statt Vertragsbindung“ das Motto der Zukunft. Gemeint sei, sich stufenübergreifend abzustimmen. Verlässliche Zusammenarbeit entstehe hierbei auf freiwilliger Basis durch gute Konditionen für alle Vertragspartner.

Mehr unternehmerische Verantwortung forderte Dr. Tillmann, Vorstandsvorsitzender der niederländischen Bestmeat Company, von den Bauern. Nicht Vertragsbindung, sondern Unternehmertum ist für ihn die Marschrichtung, in die sich die Schweine haltenden Betriebe entwickeln müssten.
 
Der Preis müsse sich am Markt im freien Spiel der Kräfte entwickeln, betonte Meyer zu Holte. Er bekannte sich klar zum freien Unternehmertum, erläuterte aber auch die Bedingungen, damit dies möglich sei. Einheitliche Rahmenbedingungen in ganz Europa seien nötig, um Wettbewerbsverzerrungen abzubauen. So müsse die Schweinehaltungs-Verordung endlich 1:1 umgesetzt werden und die Tiertransportdauer europaweit einheitlich geregelt werden. Hier fordert die ISN die Beibehaltung der bisher geltenden 24 Stunden. Weiterhin sprach er sich grundsätzlich gegen staatliche Einflüsse wie die Private Lagerhaltung, aber auch Subventionen und jede andere Form von Protektionismus aus. Diese würden das freie Unternehmertum ebenfalls untergraben.

Dr. Tilmann wies weiter darauf hin, dass das Geld sowohl für die Schlachtunternehmen als auch für die Landwirte nur vom Verbraucher kommen könne. Billigpreise seien nicht das Ziel der Bestmeat, sondern Top-Qualität zu angemessenen Preisen. Hiervon profitierten auch die Landwirte. Auf die Frage, wie die Bestmeat den Schweinehaltern sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland die gleichen Preise gewähren wolle, blieb Dr. Tillmann die Antwort schuldig.

Über die Situation und den weiteren Strukturwandel der Schweine haltenden Betriebe waren sich alle Referenten einig: Die deutsche Schweinehaltung sei international wettbewerbsfähig. In den nächsten fünf bis zehn Jahren würde sich die Anzahl der Betriebe allerdings halbieren und sich damit die Bestände in den Betrieben in etwa verdoppeln. Die Geschwindigkeit des Strukturwandels hänge allerdings stark von den politischen Rahmenbedingungen ab.

Quelle: Münster [ isn ]

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