Deutsch-niederländisches Projekt untersucht Gefahrenpotential von Tier-MRSA

Teilentwarnung bei gefährlichen Erregern

Bereits seit einiger Zeit sind multiresistente Keime weltweit auf dem Vormarsch. Diese sog. MRSA-Stämme waren bislang hauptsächlich als „Krankenhauskeime“ bekannt und gefürchtet, da die durch sie verursachten Erkrankungen - meist Entzündungen - nur schwer therapierbar sind. Während in den Niederlanden, nicht zuletzt aufgrund frühzeitiger konsequenter Bekämpfung, der Anteil MRSA-Stämme bei ca. drei Prozent liegt, ist er im Deutschland mit fast 25 Prozent deutlich höher, aber immer noch weitaus niedriger als z.B. in Südeuropa.

Doch nicht alle MRSA (Methicillin-Resistente-Staphylococcus-Aureus)-Stämme sind gleich gefährlich. Mittlerweile sind ca. 6.000 verschiedene Stämme identifiziert, die man in drei Hauptgruppen unterteilt: Krankenhaus-MRSA, sog. community-acquired MRSA und Tier-assoziierte MRSA. Die verschiedenen MRSA-Typen werden in der öffentlichen Diskussion oft nicht unterschieden, dabei verursachen sie sehr unterschiedliche Problematiken.

Das deutsch-niederländische Projekt, das im Rahmen des INTERREG IV A Programms Deutschland-Nederland gefördert und von GIQS an der Bonner Universität koordiniert wird, befasst sich mit der Bekämpfung von Tierseuchen, Zoonosen und Lebensmittelsicherheit.

Das Universitätsklinikum Münster, in Deutschland führend bei der Bekämpfung und Information zu MRSA, untersucht im Rahmen von SafeGuard das zoonotische Potential der Tier-assoziierten MRSA-Stämme. Es geht also darum festzustellen, ob diese MRSA-Stämme von Tieren auf Menschen und umgekehrt übertragen werden können und ob sich dabei ihr Gefahrenpotential verändert bzw. vergrößert.

PD Dr. med. Alexander Friedrich vom Universitätsklinikum Münster konnte hierzu Teilentwarnung geben. Im Vergleich zu Krankenhaus-MRSA scheinen Tier-assoziierte MRSA-Stämme derzeit eher selten für Infektionen beim Menschen verantwortlich zu sein. Im Vergleich zu community-acquired MRSA kommt eine besonders gefährliche Komponente, das Panton-Valentine Leukozidin (PVL), das häufig Ursache für besonders schwere Krankheitsverläufe ist, nicht bei den untersuchten Tier-assoziierten MRSA vor.

„Insbesondere Landwirte sind oft Träger der für normal gesunde Menschen ungefährlichen Tier-assoziiereten MRSA-Keime“, so Friedrich, „trotzdem gelten diese Menschen zu Unrecht oft als gefährliche Keimträger, weil bei Routineuntersuchungen im Krankenhaus die MRSA-Stämme nicht unterschieden werden. Die Stamm-Typisierung zur Unterscheidung zwischen Tier-assoziiertem und Krankenhaus-assoziiertem MRSA muss Standard werden, weil bei den Patienten abhängig vom Ergebnis unterschiedlich vorgegangen werden muss.“

Trotzdem gilt auch nach den ersten Erkenntnissen des SafeGuard-Projekts, dass Vorsorgemaßnahmen zur Eindämmung jeglicher Art der MRSA-Keime (u.a. Screening und Dekolonisierung von Trägern) und zur konsequenten Hygiene insbesondere in gefährdeten Bereichen weiterhin dringend erforderlich sind denn auch hier gilt: vorsorgen ist besser als heilen.

GIQS ist ein gemeinnütziger deutsch-niederländischer Verein, der von den Universitäten Bonn und Wageningen (NL) gegründet wurde mit dem Ziel, Verbundforschung und –entwicklung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu fördern. Dies geschieht z.B. durch die Planung und Durchführung internationaler Projekte.

Weitere Informationen unter www.giqs.org

Quelle: Bonn/Münster [ GIQS ]

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