Tönnies-Stellungnahme zur NDR-Sendung Markt vom 18.2.2019

Rheda-Wiedenbrück / Kellinghusen, 19. Februar 2019 – Die NDR Sendung Markt berichtet am 18. Februar über den Schweineschlachthof in Kellinghusen. Darin werden mehrfach unhaltbare Vorwürfe auch gegen die Firma Tönnies erhoben, die ohne jeden Beweis in den Raum gestellt werden.

Im Zentrum steht dabei ein Arbeitsunfall eines ehemaligen Mitarbeiter des Schlachthofes, dessen Schicksal instrumentalisiert wird, um im Beitrag eine Ansammlung weiterer, unbewiesener Vorwürfe zu konstruieren. Das Format und die Vorwürfe des NDR sind in dieser Form nichts anderes als die Skandalisierung eines tragischen Arbeitsunfalls.

„Als wichtigsten Punkt möchten wir betonen, dass alle Verantwortlichen bei Tönnies in Kellinghusen den Arbeitsunfall, bei dem sich ein Mitarbeiter die Fingerkuppen abgeschnitten hat, sehr bedauern“, sagt Tönnies-Unternehmenssprecher Dr. André Vielstädte. „Wir standen direkt nach dem Unfall mit dem Mitarbeiter in Kontakt, auch im Krankenhaus wurde er von der Geschäftsführung besucht.“

Der Arbeitsunfall wurde umgehend der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) gemeldet, woraufhin ein Sachverständigter der Arbeitsschutzbehörde den Arbeitsort begutachtet hat. Dieser Sachverständige hat den Arbeitsort abgenommen und für korrekt ausgewiesen.“

„Das Ziel dieses Beitrags, diesen bedauerlichen Unfall zu skandalisieren, empfinden wir als höchst unangebracht. Und der Versuch, sogar eine Mitschuld einzelner Verantwortlichen von Tönnies an dem Unfall zu suggerieren, ist ungeheuerlich und schlicht falsch. Dagegen wehren wir uns ausdrücklich“, sagt Vielstädte.

Über den gesamten Beitrag hinweg vermittelt der NDR ein falsches Bild über die Arbeitsverhältnisse in Kellinghusen.

Bis zur Ausstrahlung des Berichtes hatte keine der Redakteurinnen des NDR die Arbeitsverhältnisse vor Ort auch persönlich in Augenschein genommen. Daher wird fälschlicherweise der Eindruck vermittelt, in Kellinghusen finde eine Produktion hinter geschlossenen Wänden statt. Richtig ist: Tönnies lädt permanent Besucher und Interessierte ein, sich ein eigenes Bild von der Produktion zu machen.

Auch berichtet der NDR mit keinem Wort, dass Tönnies in Kellinghusen seit mehreren Monaten im direkten Austausch ist mit der im Beitrag benannten Bürgerinitiative sowie dem runden Tisch der Gemeinde.

Tönnies stand im Vorfeld des Berichtes mit den Redakteurinnen des NDR längere Zeit in Kontakt, die Fragen zu den im Bericht aufgebrachten Themen wurden eingehend beantwortet. Um diesen Austausch transparent und offen allen Interessierten zugänglich zu machen, veröffentlichen wir an dieser Stelle die inhaltliche Korrespondenz mit dem NDR. Diese spricht für sich.

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In einem Schreiben an den NDR vom 29. Januar 2019 macht Tönnies deutlich:

So gab und gibt es schon keine allgemeine Anweisung oder Verpflichtung der Arbeitsschutzbehörde an dem von Ihnen angesprochenen Arbeitsplatz dauerhaft zwei Mitarbeiter zu positionieren. Es gibt lediglich die Aussage, dass bei erhöhtem Tempo an der Position zwei Mitarbeiter eingesetzt werden sollten. Bei einem solchen Tempo hat es sich aber um eine Ausnahmesituation gehandelt, die nicht den Üblichkeiten entsprach und entspricht. Bei langsamerem – und im Übrigen üblichen – Tempo ist aber gegen eine Besetzung mit nur einer Person an der Position nichts einzuwenden.

Ganz davon abgesehen hat unsere Mandantschaft angewiesen und umgesetzt, dass selbst bei dem üblichen langsameren Arbeitstempo jeweils zwei Mitarbeiter die Position besetzen, die Aufgaben getrennt werden und es auch nicht ausnahmsweise und unkontrolliert zu einer Erhöhung des Arbeitstempos kommt. Insofern gibt es auch keine schriftlichen verbindlichen Anweisungen der STAUK, wie von Ihnen impliziert.

Hinsichtlich der Wärmeschutzkleidung gibt es interne mündliche und schriftliche Anweisung zur Umsetzung, die entsprechend und effektiv unternehmensintern kontrolliert und insofern die Umsetzung sichergestellt wird.

Soweit Sie angebliche Mängel der Wohnungen ansprechen, so ist zunächst darauf hinweisen, dass es bei älteren Gebäuden grundsätzlich zu kurzfristigen Defekten von Versorgungseinrichtungen kommen kann und insofern – wie bei jeder anderen Mietwohnung auch – der Vermieter darauf angewiesen ist, dass ihm entsprechende Mängel angezeigt werden. Soweit es tatsächlich zu einem von Ihnen angesprochenen Heizungsausfall gekommen ist, so erfolgte eine derartige Mängelanzeige gerade nicht rechtzeitig. Sobald das Problem bekannt gemacht wurde, wurde dieses Problem unverzüglich innerhalb weniger Stunden abgestellt und behoben. Von der beauftragten Fachfirma wurde dabei festgestellt, dass scheinbar eigenständig ein Ventil verstellt worden war, was im Ergebnis zum Ausfall der Anlage geführt hat. Im Übrigen ist sichergestellt, dass bei Anzeige von Mängeln der Versorgungsanlagen entsprechende Fachfirmen längstens innerhalb von 24 Stunden nach

Bekanntwerden die Mängel beheben. Wie Ihnen im Übrigen bekannt sein dürfte, hat unsere Mandantschaft zusammen mit ihren Subunternehmern sichergestellt, dass mittlerweile in Bad Bramstedt eine größere und modernere Immobilie zur Verfügung steht, die auch von den Mitgliedern des Kellinghuser Stützkreises sowie Vertretern der Städte Bad Bramstedt und Kellinghusen in Augenschein genommen und für beanstandungsfrei befunden wurde. Der Bezug wird nunmehr umgesetzt.

Am 18. August 2018 gab es einen schweren Arbeitsunfall im Schlachthof Kellinghusen, bei dem sich der Werkvertragsarbeiter (Name hier entfernt) vier Finger abgeschnitten hat. Unseren Recherchen zufolge hatte der Mitarbeiter (Name entfernt) die Aufgabe, sowohl die Pfoten als auch die Köpfe der Schweine abzutrennen. Dies ist laut Staatlicher Arbeitsschutzbehörde so nicht zulässig. Noch dazu trug der Mitarbeiter (Name hier entfernt) den Recherchen zufolge keine Schutzkleidung wie z.B. Stechschutzhandschuhe oder Stechschutzschürze, weil sie ihm offenbar nicht zur Verfügung gestellt wurden. Wie beurteilen Sie diesen Fall? Inwieweit haben Sie Sorge dafür getragen, dass Ihr Subunternehmer sich bezüglich des Arbeitsschutzes an geltendes Recht hält? Hat dieser Vorfall Konsequenzen nach sich gezogen – und wenn ja welche?

Der Arbeitsunfall, bei dem sich ein Mitarbeiter die Fingerkuppen abgeschnitten hat, ist sehr bedauerlich. Wir standen direkt nach dem Unfall mit dem Mitarbeiter in Kontakt, auch im Krankenhaus wurde er von der Geschäftsführung besucht. Der Arbeitsunfall wurde umgehend der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) gemeldet, woraufhin ein Sachverständigter der Arbeitsschutzbehörde den Arbeitsort begutachtet hat. Dieser Sachverständige hat den Arbeitsort abgenommen und für korrekt ausgewiesen. Laut Anweisung der Berufsgenossenschaft sind weder Stechschutzhandschuhe noch Stechschutzschürze an diesem Arbeitsplatz sinnvoll oder gar verpflichtend. Zudem haben wir unmittelbar die Herstellerfirma einberufen und die Maschine technisch überprüfen lassen. Es wurden dabei keine Mängel festgestellt. Als Konsequenz aus dem Arbeitsunfall wird die eine Arbeitsposition seither konsequent in zwei Arbeitsschritten von zwei Mitarbeitern ausgeführt.

Wir wollen nochmals betonen, wie sehr wir den schweren Arbeitsunfall bedauern. Aber die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes war und ist lt. zuständiger BGN eben korrekt. Und auch Schutzkleidung wurde dem Mitarbeiter nicht etwa vorenthalten, sie war und ist an diesem Arbeitsort nicht sinnvoll und daher nicht vorgeschrieben.

Den Recherchen zufolge werden rumänischen Werkvertragsarbeitern in Kellinghusen keine Nachtzuschläge gezahlt und Überstunden nur teilweise. Wie beurteilen Sie diesen mutmaßlichen Missstand? Warum dringen Sie nicht darauf, dass Ihr Subunternehmer den gesetzlichen Mindestlohn und die Nachtzuschläge korrekt zahlt?

Die Bezahlung unserer Mitarbeiter sowie der Dienstleister unterliegt dem deutschen Arbeitsrecht. Dementsprechend ist die Einhaltung des Mindestlohngesetzes eine zwingende Voraussetzung, die von den deutschen Behörden kontrolliert wird. Die Auszahlung von Nachtzuschlägen und Überstunden wird ebenfalls kontrolliert.

Rumänische Werkvertragsarbeiter, aber auch Mitglieder des Kellinghusener Unterstützerkreises beklagen den Zustand der Unterkünfte. So wurden zwar in einigen Häusern Renovierungsarbeiten durchgeführt, doch gibt es nach wie vor Probleme mit Ungeziefer, baulichen Mängeln und menschenunwürdigen Zuständen (z.B. durch Überbelegung). Was tun Sie um diese abzustellen?

In Bezug auf die Unterkünfte der Werkvertragsarbeitnehmer in Kellinghusen befinden wir uns mitten im Verbesserungsprozess. Gemeinsam mit weiteren Vertretern des runden Tisches in Kellinghusen haben wir die bisherigen Unterkünfte der Mitarbeiter des Dienstleisters besichtigt. Hierbei wurde festgestellt, dass diese allen Vorschriften entsprechen. Aufgrund ihrer baulichen Substanz hat sich der Dienstleister allerdings entschieden, nach alternativen Wohnungen in der Region zu suchen, so wurde es auch am runden Tisch besprochen. Diese neuen Wohnungen werden aktuell renoviert und werden voraussichtlich im Februar bezogen.

Zudem stehen wir im Gespräch mit dem Bürgermeister der Gemeinde Kellinghusen, um die Möglichkeiten zu klären, neuen Wohnraum zu schaffen. Dabei haben wir angeboten Wohnraum zu errichten, wenn uns die Gemeinde die notwendigen Flächen marktüblich zur Verfügung stellt.

Ihr Subunternehmer MGM, bzw. MTM, stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik wegen ähnlicher Probleme wie sie jetzt in Kellinghusen auftreten. Warum trennen Sie sich nicht von diesem Subunternehmer, bzw. warum stellen Sie nicht mehr rumänische Arbeiter direkt ein, wie sie es in Ihrer Selbstverpflichtung angekündigt haben?

Das Unternehmen MTM arbeitet an unserem Standort in Kellinghusen in den beiden Abteilungen Schlachtung sowie Verladung. Zwei Gründe sind maßgeblich für den Einsatz von Werkverträgen: Zum einen wollen wir kurze Wege der Landwirtschaft ermöglichen und damit in den Ballungszentren der Viehhaltung schlachten. Daher haben wir uns gemeinsam mit dem damaligen Landwirtschaftsminister Robert Habeck für den Erhalt des Standorts Kellinghusen eingesetzt. Dieses Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort heißt aber auch, dass wir unsere Mitarbeiter in Regionen benötigen, in denen diese Tätigkeiten schwer zu besetzen sind. Um trotzdem in Deutschland produzieren zu können, setzen wir auf die europäische Freizügigkeit und gewinnen die Mitarbeiter über Dienstleister. Zum zweiten bekommen die Mitarbeiter im Werkvertrag von ihren Arbeitgebern nicht nur einen deutschen Arbeitsvertrag mit allen Rechten und Pflichten, sondern bei Bedarf auch Wohnraum und Transport zur Arbeit angeboten. Auf dieses „Rundum Paket“ sind die Dienstleister logistisch eingestellt. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft haben die Dienstleister damit die besseren Voraussetzungen die Mitarbeiter zu gewinnen.

Nach unserer Recherche wurde zu Ende Juli 2018 allen Werkvertragstätigen in Kellinghusen der Arbeitsvertrag mit der MGM Handels- und Vermittlungs GmbH gekündigt und gegen einen Arbeitsvertrag bei der MTM Dienstleistung GmbH eingetauscht. Warum geschah der Wechsel?

Das Unternehmen hat uns mitgeteilt, dass es die unterschiedlichen Aufgaben in unterschiedliche Gesellschaften strukturiert. Aufgrund dieser Unternehmensstrukturierung sind seit diesem Sommer im Unternehmen MTM alle Aufgaben gebündelt, die sich mit der Schlachtung beschäftigen. Die Firma MGM beschäftigt sich mit der Zerlegung. Das Unternehmen Unity Immobilien mit der Vermietung von Wohnraum.

Quelle: TÖNNIES