Das UBA, der Fleischverzehr in Deutschland und der mediterrane Lebenswandel

Si tacuisses, philosophus mansisses*

Thomas Pröller

In verschiedenen Interviews äußerte sich der Präsident des Umweltbundesamtes Prof. Troge im Umfeld der Internationalen Grünen Woche zum Einfluss der deutschen Landwirtschaft auf den Klimawandel. Besonders seine Aussagen zum Fleischverzehr wurden gerne und häufig in den Printmedien zitiert.

Beispielhaft zu den „Fleischäußerungen“ sei ein Auszug aus einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zitiert:

Auf die Frage, dass es Stimmen gebe, die dazu raten, aus Klimaschutzgründen auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten, antwortete Troge wie folgt:

„Verzicht ist ein großes Wort. Aber tatsächlich: Die Menschen aus den südlichen Ländern, etwa die Italiener, nehmen rund 25 Prozent ihrer Kalorien über tierische Produkte wie Fleisch auf, die Deutschen mehr als 39 Prozent. Und ich sehe nicht, dass die Italiener deshalb wesentlich unglücklicher wären. Etwas weniger Fleisch pro Woche hilft, den gesamten Stoffumsatz und damit auch die Luftverunreinigungen der Landwirtschaft zu reduzieren. Verzicht ist nicht notwendig, aber Mäßigung beim Fleischkonsum wäre auch für das Klima gut. Im Übrigen durchaus bei dem einen oder anderen auch für die Gesundheit.“

Nach einer Statistik zum Pro-Kopf-Verzehr an Fleisch in Europa verzehrten die Italiener 2007 63,3 kg Fleisch. Das sind 2,1 kg weniger als der EU-27-Schnitt. Aber es sind auch 1,7 kg mehr als wir Deutschen zu uns nahmen. Also mit Italien nicht so ganz getroffen Herr Professor.

Probieren wir es mit den anderen Mittelmeeranrainern, hat Prof. Troge doch in anderen Interviews von guten mediterranen Verzehrgewohnheiten gesprochen. Beginnen wir im Westen: Portugal steht mit 72,9 kg (+ 11, 3 kg oder 18,8 % mehr als Deutschland) in der Statistik. Spanien führt die Statistik mit 81,8 kg (+ 20,2 kg oder + 32,8 &) an. Frankreich ist mit 69,5 kg (+ 7,9 kg oder + 12,8 %) bescheidener. Die Griechen liegen mit 56,4 kg (- 5 kg oder – 8,1 %) tatsächlich unter dem deutschen Verzehr an Fleisch.

Interessant ist es auch den Rindfleischverzehr zu betrachten, bilden doch die Rinder täglich das besonders klimafeindliche Methan und belasten damit, und das über ihren längeren Lebenszyklus, stärker als andere nichtwiederkäuende landwirtschaftliche Nutztiere die Umwelt.

Wir Deutschen verzehrten 2007 8,5 kg Rind- und Kalbfleisch. Das sind 3,1 kg weniger als die EU-27 verzehrte. Schauen wir uns hier die Mittelmeerländer an. Die Franzosen genießen 18 kg (+ 9,5 kg oder + 111,8 %) Rind- und Kalbfleisch. Die Italiener halten sich an 17,6 kg (+ 9 kg oder + 107,1 %) gütlich während die Portugiesen 12,7 kg (+ 4,2 kg oder +  49,4 %) verzehren. Die Griechen liegen mit 10,6 kg (+ 3,1 kg oder 36,5 %) knapp vor den Spaniern mit 10,5 kg (+ 3 kg oder 35,3 %).

Wie sagte Troge also in der Berliner Zeitung: „"Ich empfehle eine Rückkehr zum Sonntagsbraten und eine Orientierung an mediterranen Ernährungsgewohnheiten."

Bei aller Wichtigkeit des Klimaschutzes leistet hier Troge schlicht einen Bärendienst, wenn er auf Basis von halbgarem Statistikwissen seine grüne „Gutmenschensau“ Jahr für Jahr zur Grünen Woche durch die Republik treibt.

Die Welt wird nicht durch das Wiederholen falscher Daten besser.

UND: Vorbilder sollten tatsächlich Vorbilder sein.

UND dann noch: Wenn die übrige Arbeit des UBAs auch auf derart akribisch erarbeiteten Datenmaterial basiert wie Troges Fleischaussagen, …

Anmerkung zu den Verzehrsdaten: Die stammen aus dem Jahresbericht des Deutschen FleischerVerbandes 2008.

Quelle: Hemsbach [ Thomas Pröller ]