Handschuhe bringen keine Vorteile

Hygiene in Metzgereien

 

Rohes Fleisch ist ein sehr empfindliches Lebensmittel. Daher ist die Hygiene in Metzgereien das A und O. Für viele Kunden ist die Benutzung von Einmalhandschuhe ein Indiz dafür, dass sauber gearbeitet wird. Doch die Handschuhe führen nicht automatisch zu einer besseren Hygiene und können sogar Gesundheitsprobleme für die Verkäufer mit sich bringen.

Die Verunsicherung bei den Verbrauchern ist groß, wie Internetforen zeigen:

  • Sind Handschuhe an der Theke nicht Pflicht?
  • Dürfen die Verkäufer das Fleisch mit bloßen Händen anfassen?
  • Soll man da noch einkaufen?
  • Handschuhe demonstrieren Kunden Sauberkeit

Für Metzger Volker Haupt aus Bonn ist klar: „Wir benutzen Einmalhandschuhe, weil der Kunde das so erwartet.“ Anders als oft angenommen, ist der Gebrauch von Handschuhen an der Ladentheke nämlich keine Pflicht. In der europäischen Verordnung zur Lebensmittelhygiene (EG 852/2004) heißt es nur: „Personen, die in einem Bereich arbeiten, in dem mit Lebensmitteln umgegangen wird, müssen ein hohes Maß an persönlicher Sauberkeit halten; sie müssen geeignete und saubere Arbeitskleidung und erforderlichenfalls Schutzkleidung tragen.“

Die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) fordert sogar einen gänzlichen Verzicht von feuchtigkeitsdichten Handschuhen an Frischetheken. Denn: „Hygienische Defizite beim Umgang mit Lebensmitteln an Frischetheken werden durch das Tragen von Einmalhandschuhen nicht beseitigt.“ Vielmehr empfiehlt sie eine gute Hygienepraxis und den richtigen Umgang mit der Frischware.

Mehr Probleme als Vorteile

In Untersuchungen fand die BGHW heraus, dass die Handschuhe nur dann aus hygienischer Sicht besser sind, wenn sie alle fünf Minuten gewechselt werden und stets aus frisch geöffneten Verpackungen stammen. Da dies aber nicht dem Standard entspricht, könne auf das Tragen verzichtet werden. Denn für die Mitarbeiter haben die Handschuhe einen großen Nachteil: Der Wärme- und Feuchtigkeitsstau kann zu Hautschäden und schließlich zu Hauterkrankungen führen wie Bläschen, Rötungen, Schuppenbildung oder Hautrisse. Außerdem enthalten einige Handschuhe Stoffe, die Allergien verursachen können.

Für Volker Haupt haben die Einmalhandschuhe, die in seiner Metzgerei nach jedem zweiten Kunden gewechselt werden, noch andere Nachteile: Sie führen zu einer unnötigen Menge an Plastikmüll und einer Verschwendung von Energie bei der Herstellung.

Es gibt bessere Hygienemaßnahmen

Nach Empfehlung der BGHW sollte das Thekenpersonal, den direkten Kontakt mit der Ware durch Gabeln, Zangen und Folien verringern. Die Untersuchungen haben ergeben, dass sich vor allem auf Schneidebrettern hohe Keimbelastungen befinden. Daher sei es notwendig, diese häufig zu reinigen und sie auszutauschen, sobald sie abgenutzt sind. Ansonsten sind regelmäßiges und richtiges Händewaschen, saubere Kleidung und saubere Arbeitsbereiche ausreichend, um gute hygienische Bedingungen zu erzielen und die Qualität zu garantieren. Dies gilt natürlich gleichermaßen für den Umgang mit Fleisch in der eigenen Küche.

Die BGHW stellt für die Kunden in Metzgereien Informationen zur Verfügung, um ihnen den Verzicht der Handschuhe zu erläutern. Auf dem Plakat mit der Überschrift „Ohne ist besser“ sind entsprechend die Gründe genannt.

Weitere Informationen und Quellen

BGHW: Hautschutz beim Umgang mit Lebensmitteln. Merkblatt M 101, Ausgabe 09.2009

BGHW: Hygienische Aspekte beim Tragen von Einmalhandschuhen im Verkauf an Frischetheken (2008)

Hautschutz - ohne Handschuhe, Hygiene trotzdem; Informationen der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe

Quelle: Infodienst der Landwirtschaftsverwaltung

Quelle: Stuttgart [ Dr. Claudia Müller ]