Bioland kritisiert mangelnden Tierschutz in der Agrarpolitik

Die für Landwirtschaft zuständigen Staatssekretäre der Bundesländer beraten heute zur Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Bioland kritisiert in diesem Zusammenhang fehlende Ambitionen der Regierung, um Tierschutz nachhaltig zu verankern. Die Ausmaße einer solch ignoranten Politik kämen insbesondere in der Schweinehaltung zum Ausdruck.

„Von einer verlängerten Frist der betäubungslosen Ferkelkastration, über das schwache staatliche Tierwohllabel bis zur Erlaubnis von Kastenständen wird Tierwohl in Berlin zugunsten industrieller Strukturen einfach weggelächelt“, so Gerald Wehde, Geschäftsleiter Agrarpolitik Bioland e.V.„ Dass es auch anders geht und artgerechte Tierhaltung sich auch rechnet, zeigen zahlreiche verantwortungsbewusste konventionelle Landwirte und wir Ökobauern!“

Die Sau soll sich wohlfühlen
Landwirtschaftsministerin Klöckner möchte die Haltung von Muttersauen in Kastenständen für 17 weitere Jahre in einer überarbeiteten Nutztierhaltungsverordnung erlauben. Bioland ist alarmiert: „Die Annahme, dass ein Muttertier seine Ferkel gefährdet rechtfertigt keine Gefängnishaltung, in der die Sau wortwörtlich links liegen gelassen wird“, ärgert sich Wehde. „In Wahrheit geht es hierbei vielmehr um Wirtschaftlichkeit. Mit einer Kastenstandhaltung kann ein Landwirt in möglichst kurzer Zeit auf möglichst kleinem Raum möglichst viele Ferkel produzieren. Dass die Politik diesen Fakt dem Tierwohl vorzieht ist skandalös!“

Industriell gehaltene Sauen verbringen in der Regel den Großteil ihres Lebens im Kastenstand. In diesen körpergroßen Metallgestellen können sie ihren natürlichen Bedürfnissen nicht nachgehen. Oftmals entwickeln sich körperliche Schäden aufgrund der Liegedauer und des Bewegungsmangels. 

„Wir erwarten vom Bundesrat hier zu intervenieren und die Stimme zu erheben, damit diese Art der Tierhaltung ein Ende hat und nur noch in berechtigten Ausnahmefällen für eine sehr kurze Zeit angewendet werden darf“, ergänzt Wehde. In Deutschland hat ein Gericht diese Haltungspraxis schon vor Jahren für tierschutzwidrig erklärt.

Das staatlich Tierwohllabel, das seinen Namen nicht verdient
Auch das geplante freiwillige Tierwohl-Kennzeichen des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL)klammert die Haltungskriterien der Muttertiere und Ferkel nahezu aus. Jedem Tier steht in allen Stufen nur der gesetzliche Mindeststandard von maximal 2,5 qm Fläche zur Verfügung (gegenüber 7,5 qm nach EU-Ökoverordnung und Bioland). Auch die Fixierung von Sauen kurz vor und nach der Geburt bleibt in allen drei Stufen erlaubt.„Sauen leiden auch unter Klöckners Tierwohlabel, denn Klöckner lässt die Sauenhaltung außen vor", sagt Wehde. „Das ahnen die Verbraucher jedoch nicht und daher grenzt das Label für uns an Verbrauchertäuschung.“

Deutschlands führender Verband für Ökolandbau kritisiert zudem, dass das Tierwohllabel keine eigene Stufe für Bio-Fleisch vorsieht, wie es in der Eierkennzeichnung bereits erfolgreich praktiziert wird. „Beim Einkauf greifen Verbraucher zur vermeintlich besten Stufe und halten noch nicht einmal mit voller Garantie die wirklich bestmögliche Stufe, nämlich Bio, in den Händen“, so Gerald Wehde. „Die Konsumenten brauchen Orientierung, anstatt Verwirrungstaktiken!“

Noch ist das freiwillige staatliche Tierwohllabel nicht gesetzlich verabschiedet worden. Bioland appeliert an Ministerin Klöckner einsichtig zu sein und die Kritik von Verbrauchern, Landwirten und ihren Kollegen auf politischer Ebene ernst zu nehmen.

Um mehr Tierwohl zu erreichen begrüßt Bioland den Vorschlag der Borchert-Kommission, als Finanzierungsinstrument zum Umbau der Tierhaltung eine mengenbezogene Tierwohlabgabe auf tierische Produkte zu empfehlen. Denn im Gegensatz zur Mehrwertsteuererhöhung sei diese zweckbezogen und belaste Bioprodukte nicht überproportional.

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Bild Copyright: Bioland.

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Bioland ist der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland. Über 8.100 Landwirte, Gärtner, Imker und Winzer wirtschaften nach den Bioland-Richtlinien. Hinzu kommen mehr als 1.200 Partner aus Herstellung und Handel wie Bäckereien, Molkereien, Metzgereien und Gastronomie. Gemeinsam bilden sie eine Wertegemeinschaft zum Wohl von Mensch und Umwelt.

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